Die VARTA Consumer Batteries GmbH & Co. KGaA wird künftig wieder als eigenständiges Unternehmen geführt. Aktuell hat das Bundeswirtschaftsministerium die Herauslösung des wirtschaftlich erfolgreichen Consumer-Geschäfts aus der insolventen VARTA AG Gruppe genehmigt. Für die rund 990 Beschäftigten von VARTA Consumer Batteries schafft die nun abgeschlossene Neuaufstellung eine langfristige Zukunftsperspektive: alle bestehenden Arbeitsplätze bleiben erhalten, neue Stellen werden geschaffen, Investitionen sind gesichert.
Für den laufenden Geschäftsbetrieb der VARTA Consumer Batteries GmbH & Co. KGaA bedeutet die Neuordnung Kontinuität. Produktion und Lieferungen werden ohne Unterbrechung fortgeführt, bestehende Verträge und Liefervereinbarungen bleiben unverändert bestehen. Für Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner der VARTA Consumer Batteries ergeben sich aus der Herauslösung keine Einschränkungen. Auch Garantieleistungen und sonstige Kundenansprüche bestehen in vollem Umfang fort.
Mark Munz, Geschäftsführer der VARTA Consumer Batteries GmbH & Co. KGaA, sagte:
„Der Geschäftsbereich VARTA Consumer Batteries ist stabil und bei Kunden und Geschäftspartnern gut positioniert. Vorbehaltlich der weiteren Marktentwicklung ist die wachstumsorientierte Fortführung der erfolgreichen Geschäfte als eigenständiges Unternehmen, wie es bereits in der Vergangenheit der Fall war, unternehmerisch logisch und schafft Sicherheit für die Mitarbeitenden sowie Vorteile für Deutschland und die Region insgesamt. Ich danke allen Beteiligten für ihr Vertrauen und ihren Einsatz für unser Unternehmen.“
Finanzielle Trennung von der früheren VARTA AG Gruppe abgeschlossen
Mit der Herauslösung ist die VARTA Consumer Batteries GmbH & Co. KGaA auch finanziell von der bisherigen VARTA AG Gruppe getrennt. Das Consumer-Geschäft ist nicht mehr Teil der gemeinsamen Konzernfinanzierung und haftet nicht mehr mit Garantien oder Sicherheiten für Finanzierungsverpflichtungen der früheren Gruppe. VARTA Consumer Batteries kann ihre Finanzierung damit unabhängig von den anderen VARTA-Gesellschaften aufstellen. Gleichzeitig wurde VARTA Consumer Batteries mit frischem Kapital in mehrstelliger Millionenhöhe ausgestattet. Damit verfügt das Unternehmen über eine solide finanzielle Basis für seine weitere Entwicklung.
Möglich wurde die Neuaufstellung durch die Unterstützung der wichtigsten Kreditgeber der früheren VARTA AG Gruppe, konstruktive Gespräche auf politischer und lokalpolitischer Ebene sowie die positive Entscheidung des Bundeswirtschaftsministeriums. Die Kernfinanzierer werden sämtliche Gesellschaftsanteile an VARTA Consumer Batteries übernehmen und unterstützen die Geschäftsführung und die weitere, eigenständige Entwicklung des Unternehmens. Sie sehen insbesondere in der Marktposition, dem Produktportfolio, den Produktionskapazitäten und der Geschäftsstrategie eine langfristig tragfähige Grundlage.
Alle Standorte und Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben
VARTA Consumer Batteries beschäftigt aktuell rund 990 Mitarbeitende, davon etwa 820 in Deutschland und 170 im Ausland. Der zentrale Produktionsstandort für Haushaltsbatterien befindet sich in Dischingen in Baden-Württemberg. Dort läuft die Produktion im Dreischichtbetrieb. Administrative und logistische Funktionen sind am Standort Ellwangen-Neunheim gebündelt.
Im Zuge der Herauslösung sind keine Personalabbaumaßnahmen vorgesehen. Vielmehr wird VARTA Consumer Batteries zusätzliche eigene Strukturen aufbauen und erweitern. Dies betrifft insbesondere die Bereiche IT, Finanzen, Controlling, Beschaffung und Lieferantenbeziehungen, die bislang teilweise innerhalb der VARTA AG Gruppe organisiert waren. Für diese Funktionen sind in den kommenden Monaten Personaleinstellungen vorgesehen.
Wachstum in Europa und internationalen Märkten
VARTA Consumer Batteries ist mit seinen Haushaltsbatterien in zahlreichen europäischen Märkten Marktführer. Zum Portfolio zählen neben Haushaltsbatterien unter anderem Knopfzellen, Akkus, Hörgerätebatterien, Powerbanks, Ladegeräte, Leuchten und Ladezubehör. Das Unternehmen will seine erfolgreiche Entwicklung nun wieder als eigenständiges Unternehmen fortsetzen und seine solide Marktposition weiter ausbauen.
Bis zunächst 2029 rechnet VARTA Consumer Batteries mit einem durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstum von drei bis vier Prozent; trotz weltweit bereits gut erschlossener Batteriemärkte. Ein Schwerpunkt der Wachstumsstrategie liegt auf europäischen Märkten. Dazu gehören insbesondere bestimmte Nicht-EU-Länder und Teile Südwesteuropas. Zusätzlich sieht das Unternehmen Wachstumsmöglichkeiten in Südamerika, Asien und Kanada. In Südostasien und Südamerika wurden bereits erste Geschäftsbeziehungen aufgebaut.
VARTA Consumer Batteries setzt dabei gezielt auf seine qualitätsorientierte, europäische Positionierung. Die Haushaltsbatterien werden in Deutschland produziert; die Rohmaterialien bezieht das Unternehmen nahezu vollständig aus der Europäischen Union.
Parallel baut das Unternehmen seine digitalen Vertriebskanäle und das Direct-to-Consumer-Geschäft weiter aus. E-Commerce soll künftig einen noch stärkeren, zusätzlichen Beitrag zum Wachstum der Marke und des Absatzes leisten.
Investitionen in Dischingen
Um die Wachstumsstrategie zu unterstützen, investiert VARTA Consumer Batteries weiter in seinen Produktionsstandort in Dischingen. Bis Ende 2028 sind signifikante Investitionen geplant und teilweise bereits in Umsetzung. Diese werden vorwiegend in modernste High-Tech-Anlagen, in eine verstärkte Automatisierung sowie in die Umstellung von Zweistoffverpackungen (Karton und Kunststoff) auf reine Kartonagenverpackungen fließen. Im Bereich Verpackungen wurde seit 2020 bereits eine signifikante Reduktion des Plastik-Verbrauchs erreicht. Durch optimierte Anlagengestaltungen werden zudem Leistung, Energie-Effizienz und Nachhaltigkeit der Produktion kontinuierlich weiter verbessert. VARTA Consumer Batteries in Dischingen wird mit technologisch höchstem Standard seinen Status als modernste Haushaltsbatterie-Produktion in Europa weiter ausbauen.
Die Transaktion im Detail
Im Vorfeld der Herauslösung hatten die Kernfinanzierer der früheren VARTA AG Gruppe den Übergang des Consumer-Geschäfts in eine eigenständige Holdingstruktur unterstützt. Dazu machten sie von ihrem Pfandrecht an den Gesellschaftsanteilen der Gesellschafterin des Consumer-Geschäfts Gebrauch. Anschließend wurde VARTA Consumer Batteries mit neuem Kapital in mehrstelliger Millionenhöhe ausgestattet. Im Zuge der Neuaufstellung wurden sämtliche finanziellen Verbindlichkeiten, Garantieverpflichtungen und Sicherheiten freigegeben, welche die Gesellschaften des Consumer-Geschäfts zuvor im Zusammenhang mit der bisherigen Konzernfinanzierung gestellt hatten. Eine Inanspruchnahme oder Fälligstellung dieser Garantien oder Sicherheiten gegenüber Gesellschaften des Consumer-Geschäfts ist zu keinem Zeitpunkt erfolgt und auch nicht beabsichtigt. Damit ist VARTA Consumer Batteries im Wesentlichen von den Verpflichtungen aus der bisherigen Konzernfinanzierung befreit und finanziell deutlich gestärkt.
Dirk Schabel, Bürgermeister der Gemeinde Dischingen, kommentierte:
„Nach intensivem, aber konstruktiven Dialog auch mit uns als Produktionsstandort Dischingen konnte diese Lösung erreicht werden. Damit sind hunderte Arbeitsplätze in unserer Gemeinde gerettet, und VARTA als Hersteller von Haushaltsbatterien bleibt hier erhalten. So sieht Industriepolitik Made in Dischingen aus.“
Michael Dambacher, Oberbürgermeister der Stadt Ellwangen, sagt:
„Mit der erteilten Genehmigung des Bundeswirtschaftsministeriums wurde der Weg frei gemacht, damit die VARTA Consumer Batteries GmbH & Co. KGaA wieder eigenständig werden und der Verwaltungsstandort in Ellwangen-Neunheim fortgeführt werden kann. Durch den Aufbau eigener Verwaltungsfunktionen in IT, Finanzen, Controlling, Beschaffung und Lieferantenbeziehungen freuen wir uns, dass weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der bisherigen VARTA AG Gruppe hier neue Aufgaben finden. Dafür haben wir uns beim Bundeskanzler energisch eingesetzt. Und auch für die anderen Gesellschaften der VARTA AG Gruppe werden wir im Insolvenzverfahren gute Lösungen einfordern und unseren Beitrag leisten.“
Sabrina Zuther, Vorsitzende des Betriebsrats der VARTA Consumer Batteries in Dischingen und Ortsvorstandsmitglied der IG Metall Heidenheim, sagte:
„Die Belegschaft darf nicht für die Fehlentscheidungen des VARTA AG-Managements der Vergangenheit bezahlen müssen. Mit der erneuten Verselbstständigung von VARTA Consumer Batteries ist es in letzter Minute gelungen, ein gesundes und erfolgreiches Unternehmen sowie zahlreiche Arbeitsplätze zu sichern. Unsere Solidarität gilt nun den vielen Kolleginnen und Kollegen in den anderen Gesellschaften der VARTA-Gruppe, die im Insolvenzverfahren um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze kämpfen. Wir freuen uns, dass einige von ihnen im Rahmen von Übernahmen eine neue berufliche Perspektive bei VARTA Consumer Batteries finden werden.“
Stefan Vetter, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der VARTA Consumer Batteries in Ellwangen-Neunheim, sagte:
„Der Erhalt aller Arbeitsplätze in Neunheim und Dischingen ist erst einmal eine gute Nachricht für die Beschäftigten. Nun aber müssen die nächsten Schritte folgen. Unser Ziel bleibt, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu sichern und die Kompetenz, die über Jahrzehnte bei VARTA aufgebaut wurde, im Unternehmen zu halten. Die Marke VARTA steht für nahezu 140 Jahre Industriegeschichte, Erfahrung und Innovationskraft. Dieses Potenzial muss genutzt werden, damit wir auch künftig erfolgreich am Markt bestehen können. Dabei erwarten wir von der Bundespolitik ein deutlich stärkeres Engagement für den Erhalt industrieller Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland. “