Energiespeicher des 21. Jahrhunderts trifft auf keltisches Superfood

Vorgeschichtlicher Brunnen ermöglicht Einblicke in die Ernährung der Kelten

Nördlingen, 3.2.2020: Bei bauvorgreifenden Untersuchungen auf dem Gelände des VARTA AG Konzerns in Nördlingen sind Archäologen und Denkmalpfleger auf Reste eines vorgeschichtlichen Brunnens aus der Zeit um 130 v. Chr. gestoßen. Der Brunnen war mit zahlreichen Speise- und Pflanzenresten, die teilweise erstmalig für die vorrömische Zeit nachgewiesen wurden, verfüllt. Darüber hinaus spiegelt der Fund die Siedlungsaktivität im Ries vor dem Abbruch der keltischen Besiedlung wider.

Freigelegte unterste Holzlage des Brunnens in Nördlingen. Im Inneren des Brunnenkastens liegen Reste von Tongefäßen, Foto: ABDW Archäologiebüro Dr. Woidich GmbHSedimentproben vom Grund des vor allem im unteren Bereich sehr gut erhaltenen Brunnens enthielten fast 2000 Pflanzenreste von mehr als 60 Arten, die durch einen Archäobotaniker bestimmt wurden. Neben Gerste und Dinkel geben Reste von Dill einen Einblick in das keltische Gewürzspektrum, aber auch in die umgebende Landschaft zu dieser Zeit. Die heute als Superfood wieder beliebte Physalis wurde offenbar schon von den Kelten geschätzt. Als potenzielle Heilpflanzen traten Echtes Johanniskraut und das berauschende Schwarze Bilsenkraut auf. Besonders überraschend war der Rest einer Birne: Zwar beschäftigte man sich in dieser Zeit südlich der Alpen mit der Kultivierung der Birne, die dort damals eine Modefrucht war, wie aus antiken Schriftquellen bekannt ist. In Nördlingen dürfte es sich aber noch um eine Wildform gehandelt haben. Ihre Nutzung im keltischen Raum konnte wegen der häufig schlechten Erhaltungsbedingungen bisher so gut wie nie nachgewiesen werden.

Besondere Bedeutung besitzt der Fund auch für die Besiedlungsgeschichte des süddeutschen Raums: Im Laufe des 1. Jahrhunderts v. Chr. wurden zuvor blühende Siedlungen aufgegeben. Vorboten dieser Entwicklung lassen sich möglicherweise auch anhand der Pollen aus der Brunnenverfüllung ablesen, die die Umgebungsvegetation nachzeichnen. War kurz nach der Aufgabe des Brunnens die Egerniederung offenbar noch von Getreidefeldern geprägt, gehen diese anschließend offenbar zurück und es kommt zur Ausbreitung von Holunderbüschen auf brachen Flächen. Die Ergebnisse geben damit einen neuen Einblick in den „Anfang vom Ende“. Mit Unterstützung des VARTA AG Konzerns sollen die gut erhaltenen Teile des Brunnens nun konserviert werden.

Generalkonservator Prof. Dipl.-Ing. Architekt Mathias Pfeil, Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, betont: „Anhand der Funde lässt sich erkennen, dass die Kelten in der Region ein breites Nahrungsspektrum nutzten. Was in der keltischen Zeit auf den Teller kam, war immer auch Statussymbol.“

Über den archäologischen Fund und den Umgang damit freut sich auch Herbert Schein, Vorstandsvorsitzender der VARTA AG: „Unser Unternehmen weitet die Produktionskapazitäten derzeit massiv aus und plant Erweiterungsbaumaßnahmen an den Standorten in Nördlingen und Ellwangen. Vor dem Hintergrund dieser Wachstumsdynamik kann ein solcher Fund unter Umständen auch eine unkalkulierbare Unterbrechung der Bautätigkeiten bedeuten. Umso mehr bedanken wir uns bei der Stadt Nördlingen für die Unterstützung und insbesondere beim Landesamt für Denkmalpflege für die schnelle und kooperative Zusammenarbeit, sodass wir den Fund schnell bergen und mit den Baumaßnahmen fortfahren konnten.“

Die Arbeiten haben im Sommer 2019 im Vorfeld der Erweiterung des Werksgeländes des VARTA AG Konzerns in Nördlingen stattgefunden. Am Standort Nördlingen wird die Lithium-Ionen Zellenproduktion zurzeit durch einen Neubau aufgestockt, der an die bestehende Produktion angrenzt.

Freigelegte unterste Holzlage des Brunnens in Nördlingen. Im Inneren des Brunnenkastens liegen Reste von Tongefäßen, Foto: ABDW Archäologiebüro Dr. Woidich GmbH

Über VARTA AG
Die VARTA AG produziert und vermarktet ein umfassendes Batterie-Portfolio von Mikrobatterien, Haushaltsbatterien, Energiespeichersystemen bis zu kundenspezifischen Batterielösungen für eine Vielzahl von Anwendungen, und setzt als Technologieführer in wichtigen Bereichen die Industriestandards. Als Muttergesellschaft der Gruppe ist sie in den Geschäftssegmenten „Microbatteries & Solutions“ und „Household Batteries“ tätig.
Das Segment „Microbatteries & Solutions“ fokussiert sich auf das OEM-Geschäft für Mikrobatterien sowie auf das Lithium-Ionen-Batteriepack-Geschäft. Durch intensive Forschung und Entwicklung setzt VARTA die weltweiten Maßstäbe im Mikrobatterienbereich und ist anerkannter Innovationsführer in den wichtigen Wachstumsmärkten der Lithium-Ionen-Technologie sowie bei primären Hörgerätebatterien. Das Segment „Household Batteries“ umfasst das Batteriegeschäft für Endkunden darunter Haushaltsbatterien, Akkus, Ladegeräte, Portable Power (Power Banks) und Leuchten sowie Energiespeicher.
Der VARTA AG Konzern beschäftigt derzeit nahezu 4.000 Mitarbeiter. Mit fünf Produktions- und Fertigungsstätten in Europa und Asien sowie Vertriebszentren in Asien, Europa und den USA sind die operativen Tochtergesellschaften der VARTA AG derzeit in über 75 Ländern weltweit tätig.

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